Donnerstag, 14. März 2013

fromm

als kind war ich mal eine zeit lang sehr fromm. auf eine art, die ich heute auch noch kenne, aber nicht mehr in der katholischen kirche auslebe. damals aber schon.

ich schritt alleine, denn meine eltern waren nicht interessiert, zur kirche hin und schwelgte in blumenduft und kerzenlicht und gesängen, sowie in dem lateinischen gemurmel, das wie holde zaubersprüche über dem weihrauch daherwehte.

dazu gab es einen lieben papst. dick und alt, und eben lieb. das war johannes XXIII., der mich dann um all den zauber bringen würde, ein paar jahre später - keine geheimnisvollen sprüche mehr. die sache mit dem kirchgang war für mich erledigt.

gestern konnte ich aus neugier nicht umhin, der aufgeregten berichterstattung (ich frage mich wirklich, ob ich sowas mit meinen gebühren unterstützen will) des öffentlichrechtlichen fernsehens zu folgen und drauf zu warten, dass der neue papst vor die tür tritt. als er endlich da stand, so lieb und rund und alt, und freundlich lächelte, hatte ich ein kurzes flashback in mein kindliches kirchenglück mit dem damaligen johannes. na sowas.

Kommentare:

  1. und ich dachte beim zusehen, wie schrecklich diese alten, verknöcherten, saftlosen männer seien.
    kann aber auch nicht mit kindlichem kirchenglück aufwarten, bin wohl schon unfromm zur welt gekommen.
    liebgrüsse zu dir
    ingrid

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ja, das war schon eine anachronistische aufführung mit den greisen... ich liebe das trotzdem, weil ich dann immer an die herrliche papstmodenschau in einem fellini-film denken muss. ich weiß nicht mehr, welcher es war.
      liebste grüß
      u

      Löschen