Mittwoch, 6. März 2013

dunkelmann

seit dezember habe ich einen neuen nachbarn, im hof gegenüber. und er löst den umgang mit meiner immerwährenden vorhanglosigkeit auf völlig neue weise.

bisher hatten menschen, die gegenüber von mir lebten, auch wenn sie gerade erst eingezogen waren, als allererstes sichtschutz an ihren fenstern angebracht. dieser nachbar ist damit jedoch völlig überfordert - er lebt auch immer noch zwischen seinen kisten.

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statt vorhängen oder rollos, oder eben sichtbarkeit, sucht er den schutz der dunkelheit. da er den raum gegenüber meinem fenster durchqueren muss, um von seinem vorzimmer in sein schlafzimmer zu kommen und zurück, hat er in diesem raum noch nie licht gemacht. ich habe bislang nur einmal seinen huschenden schatten gesehen. er nützt den raum überhaupt nur zum durchgang - immerhin schöne helle 20 qm mit herrlichem parkett, wie spiegelgleich bei mir. (allerdings habe ich auch noch einen anderen weg in mein zweites zimmer.)

meine besucherinnen vermuten alle, er wäre ein spanner. ich glaube das nicht, ich hatte von anfang an das gefühl, - auch deswegen, wie der einzug gelaufen war, - hier sei jemand mit der situation umzug/einzug völlig überfordert.

ich glaube, beide hypothesen sind nun ein bisschen bestätigt. gestern traf ich nämlich auf der gasse vor dem haus auf einen sehr jungen mann, der als er mich sah, über beide ohren knallrot anlief und den kopf hineinsteckte, wie man hierzulande sagt, wenn jemand blickkontakt vermeiden will und dabei den kopf senkt und die schultern hochzieht.

wir wollten beide ins haus und ich war näher am tor. da ich blitzschnell vermutete, es könnte sich hier um den neuen nachbarn handeln, sperrte ich das tor auf und ließ ihm grüßend den vortritt. er murmelte etwas in seinen dunkelblauen pullover und rannte die treppen hoch mit seinem salat im sackerl und seiner cola im arm, als wäre der teufel hinter ihm her. da ich auf den lift wartete, konnte ich mitzählen, in welchem stockwerk er in eine wohnung eintrat.

es war der neue nachbar. ich glaube, er ist nicht nur mit seinem einzug überfordert, sondern auch mit meinem anblick im schlafrock, der ihm bei seinem schleichweg durchs zimmer gegenüber wohl nicht immer ganz erspart bleibt.

jedenfalls hat seine art sichtschutz bei mir zur folge, dass ich ein bisschen öfter im vorbeigehen hinüberschaue, als bei den vorherigen nachbarn, die halt am abend die vorhänge schlossen. so stellt er genau die situation her, die er zu vermeiden sucht, nämlich dass ich öfter rüberschaue und er mich vielleicht öfter in privater aufmachung sieht, als ihm lieb ist. was das mit ihm macht, stelle ich mir angesichts seines errötens lieber gar nicht vor.

fenster zum hof ist halt ein spannendes setting.



Kommentare:

  1. ...ja, das wusste schon der alte hitchcock.
    spannende alltagsgeschichte. hoffentlich wird sie kein krimi ;-)
    wie jung ist "sehr jung" in etwa? frischer student?...
    liebe grüße vom land in die stadt

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    1. ja, ich würde sagen um 20 rum maximal. ich glaube mich zu erinnern, dass der immobilienmakler, den ich seinerzeit, weil ich wissen wollte, wie wohnungsschnitt und ausblick da im hinterhaus ist, um die besichtigung der wohnung bat, als sie schon vergeben war, sagte, es sei ein sehr netter junger mann aus deutschland. seinen namen wissen wir auch von klingelbrett und postkastl. also er ist nicht per se ein dunkelmann.
      liebste grüß an den see
      u

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  2. "Non é di per se un uomo bruno" sagt die italienische Über setzung zur lezten Zeile deines Kommentars. Na dann - mit am 20-jährigen der kein uomo bruno ist, bitte, wirst scho fertig!

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    1. die frage ist glaub ich eher, ob er mit mir fertig wird :)
      jedenfalls packt er heute plötzlich aus, vielleicht liest er ja mit hier. die leeren kartons stapeln sich mannshoch vor dem vorzuimmerfenster, herrlicher sichtschutz.

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  3. im film gibt es dann immer den beobachter/die beobachterin mit fernglas. ich finde, du solltest den jüngling öfter zum erröten bringen. :-)
    liebgrüsse
    ingrid

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    1. ja, das wird nicht schwer sein, wenn die temperaturen steigen, und die fenster richtig offenstehen. meine sommerlichen home-outfits sind wesentlich attraktiver als die winterlichen :)

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