Freitag, 29. März 2013

tja

dies war nun ein paar tage der anblick, wenn ich das haus verließ. passt in die karwoche, eine art karnevalswagen, der auf den missbrauch, der in der kirche stattfand/findet, verweist und aufruft zu einem volksbegehren. ob das ding absichtlich vor der tür des swingerclubs parkte, entzieht sich meiner kenntnis. auch von dem volksbegehren hatte ich vorher nichts gehört.

Freitag, 22. März 2013

gruß

neulich hab ich zu meiner mutter gesagt, dass ich wohl doch nicht in der nachfolge meines vaters in das brillantengeschäft einsteigen werde. und dass das dafür nötige equipment teilweise im banksafe und teilweise in meiner vaterkiste unberührt ruhe. ich sagte, wahrscheinlich hab ich mich nur ihm zuliebe damit beschäftigt. mich selber interessiere das wohl gar nicht.

diese rede scheint meinem seligen vater im jenseits die idee gegeben zu haben, mich eines besseren zu belehren und mir folgenden gruß zu schicken:

gestern ging ich auf dem spittelberg auf und ab und telefonierte mit einer freundin, von der ich lange nichts gehört hatte. plötzlich sah ich auf dem katzenkopfpflaster etwas liegen und bückte mich, um einen perfekten zweikaräter, der wohl aus einer fassung gefallen war, aufzuheben. ich hatte schon einmal auf dem kohlmarkt, nachdem die einbrecher meinen schmuck geraubt hatten, so einen fund gemacht. ich habe ein auge dafür.

der gestrige stein schien mir allerdings schon mit freiem auge zu perfekt um wahr zu sein. kaum zuhause, räumte ich das mikroskop, die waage, das größenmessgerät hervor und legte los. ich wusste plötzlich wieder genau, woran man den unterschied zwischen einem echten brillanten und einem synthetischen zirkon erkennt und hatte riesen csi-spaß mit meinem kleinen labor.

irgendwie war ich erleichtert, dass sich der verdacht bestätigte - der spittelberg-stein ist zu schön um wahr zu sein. der brillant vom kohlmarkt, der echt war, hatte mir nämlich ein paar schuldgefühle gemacht.

und nun weiß ich auch: der handel mit den brillanten ist es, was mich nicht interessiert. gutachten machen aber vielleicht doch. danke, papi.

Freitag, 15. März 2013

habemus

vorhang!


das geht ja jetzt flott voran. aus dem dunkelmann ist eine lichtgestalt geworden.

Donnerstag, 14. März 2013

fromm

als kind war ich mal eine zeit lang sehr fromm. auf eine art, die ich heute auch noch kenne, aber nicht mehr in der katholischen kirche auslebe. damals aber schon.

ich schritt alleine, denn meine eltern waren nicht interessiert, zur kirche hin und schwelgte in blumenduft und kerzenlicht und gesängen, sowie in dem lateinischen gemurmel, das wie holde zaubersprüche über dem weihrauch daherwehte.

dazu gab es einen lieben papst. dick und alt, und eben lieb. das war johannes XXIII., der mich dann um all den zauber bringen würde, ein paar jahre später - keine geheimnisvollen sprüche mehr. die sache mit dem kirchgang war für mich erledigt.

gestern konnte ich aus neugier nicht umhin, der aufgeregten berichterstattung (ich frage mich wirklich, ob ich sowas mit meinen gebühren unterstützen will) des öffentlichrechtlichen fernsehens zu folgen und drauf zu warten, dass der neue papst vor die tür tritt. als er endlich da stand, so lieb und rund und alt, und freundlich lächelte, hatte ich ein kurzes flashback in mein kindliches kirchenglück mit dem damaligen johannes. na sowas.

Mittwoch, 13. März 2013

nachbarinnen

im gegensatz zum dunkelmann sind meine nebennachbarinnen drei zwitschernde fräulein, die es gemütlich haben in ihrer wg.

gestern entbehrten sie einer auflaufform und kamen mit der nachfrage nach einer solchen des abends an meine tür. ich verlieh also meine antike emailwuchtelpfanne.

später des abends bekam ich sie ziemlich gut gereinigt zurück, darin als dank zwei muffins lieblich angeordnet. während ich die kastenform erneut einweiche, probiere ich das gebäck. es ist von schaumgummihafter konsistenz und zwar mit dominanz des gummihaften. mehr als ein halbes teil kann ich nicht verkosten, obwohl das zimtige gut schmeckt.



Freitag, 8. März 2013

dunkelmann 2

ha! publizieren hilft.

wen seh ich heute vor mir ins haus treten? genau.

ich gehe ohne eile nach, denn ich weiß schon, sein schicksal will, dass er mir ins auge blickt. zum erröten bleibt ihm keine zeit, denn ich trete gerade durch die flügeltür, als der lift gegenüber hält, und beim öffnen der lifttür sieht und erkennt er mich.

hinter der feuerleiter, die ja als sichtschutz gar nicht taugt,
nun die leeren kartons im fenster
er reagiert blitzschnell, als wollte er mir immer schon die lifttür aufhalten, macht einen ordentlichen diener und spricht wohlerzogen auf österreichisch: ich lasse sie im lift fahren. ich werde laufen. ich bedanke mich und er ist weg. (unser lift ist nicht sehr klein. drei leute können fahren ohne sich aneinanderschmiegen zu müssen.) oben angekommen höre ich ihn auf der treppe hinter dem liftschacht warten, damit er mich nicht nochmal kreuzt.

das entwickelt sich ja herrlich. mein geübtes auge sagt mir: er ist noch jungfrau. und vielleicht ahnt er schon, dass er schwul sein könnte. dieser typ knabe ist immer schon mit schaudern auf mich geflogen.

jedenfalls räumt er ja seit gestern kisten aus. er rumort in der küche, die an meine grenzt. und nun türmen sich die leeren kartons schon übermannshoch vor seinem vorzimmerfenster. vielleicht lässt er das jetzt als sichtschutz die nächsten jahre. ist einfacher, als einen vorhang anbringen.



Mittwoch, 6. März 2013

dunkelmann

seit dezember habe ich einen neuen nachbarn, im hof gegenüber. und er löst den umgang mit meiner immerwährenden vorhanglosigkeit auf völlig neue weise.

bisher hatten menschen, die gegenüber von mir lebten, auch wenn sie gerade erst eingezogen waren, als allererstes sichtschutz an ihren fenstern angebracht. dieser nachbar ist damit jedoch völlig überfordert - er lebt auch immer noch zwischen seinen kisten.

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statt vorhängen oder rollos, oder eben sichtbarkeit, sucht er den schutz der dunkelheit. da er den raum gegenüber meinem fenster durchqueren muss, um von seinem vorzimmer in sein schlafzimmer zu kommen und zurück, hat er in diesem raum noch nie licht gemacht. ich habe bislang nur einmal seinen huschenden schatten gesehen. er nützt den raum überhaupt nur zum durchgang - immerhin schöne helle 20 qm mit herrlichem parkett, wie spiegelgleich bei mir. (allerdings habe ich auch noch einen anderen weg in mein zweites zimmer.)

meine besucherinnen vermuten alle, er wäre ein spanner. ich glaube das nicht, ich hatte von anfang an das gefühl, - auch deswegen, wie der einzug gelaufen war, - hier sei jemand mit der situation umzug/einzug völlig überfordert.

ich glaube, beide hypothesen sind nun ein bisschen bestätigt. gestern traf ich nämlich auf der gasse vor dem haus auf einen sehr jungen mann, der als er mich sah, über beide ohren knallrot anlief und den kopf hineinsteckte, wie man hierzulande sagt, wenn jemand blickkontakt vermeiden will und dabei den kopf senkt und die schultern hochzieht.

wir wollten beide ins haus und ich war näher am tor. da ich blitzschnell vermutete, es könnte sich hier um den neuen nachbarn handeln, sperrte ich das tor auf und ließ ihm grüßend den vortritt. er murmelte etwas in seinen dunkelblauen pullover und rannte die treppen hoch mit seinem salat im sackerl und seiner cola im arm, als wäre der teufel hinter ihm her. da ich auf den lift wartete, konnte ich mitzählen, in welchem stockwerk er in eine wohnung eintrat.

es war der neue nachbar. ich glaube, er ist nicht nur mit seinem einzug überfordert, sondern auch mit meinem anblick im schlafrock, der ihm bei seinem schleichweg durchs zimmer gegenüber wohl nicht immer ganz erspart bleibt.

jedenfalls hat seine art sichtschutz bei mir zur folge, dass ich ein bisschen öfter im vorbeigehen hinüberschaue, als bei den vorherigen nachbarn, die halt am abend die vorhänge schlossen. so stellt er genau die situation her, die er zu vermeiden sucht, nämlich dass ich öfter rüberschaue und er mich vielleicht öfter in privater aufmachung sieht, als ihm lieb ist. was das mit ihm macht, stelle ich mir angesichts seines errötens lieber gar nicht vor.

fenster zum hof ist halt ein spannendes setting.