Samstag, 11. August 2012

differenz

politisch inkorrekte aperçus, wiedermal. erstmal, die wahrnehmung des fremden als fremd:

heuer hat die ostasien-fraktion - china und japan - st. wolfgang entdeckt, die erste auffallend außereuropäische präsenz seit den arabischen familien mit den tiefschwarz verschleierten frauen vor vier jahren.

die nahost-fraktion von seinerzeit residierte in großfamilien im red bull hotel scalaria, das noch teurer ist als das weiße rössl.

die diesjährige china-fraktion besteht aus kleingruppen von tagestouristen, die mit dem bus kommen, einmal durch den ort und schafbergbahn rauf und runter stürzen und wieder weg sind. die japan-fraktion kommt schiffsladungenweise mit der flotte der kleinreederei für eine stippvisite per pedes durch den ort, inkl. 50 cent beleuchtungsgeld der japanischen reiseleitung für den berühmten gotischen flügelaltar in der kirche. wieso ich sie unterscheiden kann, weiß ich nicht.

ich werde jedenfalls von der reziproken einfühlung geplagt, wunderbare chinesische und japanische tuschzeichnungen von ganz ähnlichen berg- und wasserlandschaften zu sehen und mich zu fragen, ob sie den vergleich auch anstellen. die chinesen haben sich ja eine kopie von hallstatt hingestellt, bei sich daheim, hört man.

seit gestern plagen mich noch viel inkorrektere wahrnehmungen von differenz:

viele menschen mit verschiedenen graden von körperlicher und geistiger einschränkung durchströmen den kleinen ort. die meisten in begleitung von professionellen oder familiären begleitpersonen. aber auch eine ganz selbständige drei generationen umfassende familie, in der absolut alle mitglieder zwischen ca. 60 und 2 jahren dieselben sicht- und hörbaren einschränkungen tragen. man sieht förmlich den genpool.

egal woher die exotik rührt, ich bemühe mich, nicht zu starren. aber unbeeindruckt bleibe ich nicht.

Kommentare:

  1. fremd ist fremd und nur durch beobachten und starren können wir uns annähern. :-)
    liebgrüßt an den see
    ingrid

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    1. Ja, sieht ganz so aus, überhaupt, wenn man auch sonst so gerne beobachtet, wie Leute sich verhalten...

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  2. seit ich bei japanern gearbeitet habe, muss ich mich immer abwenden, treffe ich sie als touris. und ich treffe sie überall. letztes jahr auf dem höchsten aussichtspunkt eines schweizer berges waren sie es, die noch die absperrung überstiegen, um fotos zu schießen.
    mir war schwindelig vom hinschauen und ich war geneigt, die am kragen zu packen und zurück zu holen. aber dann ......
    meine persönliche erfahrung: als beobachtungsobjekt schnell erschöpft.
    da hast du ja glücklicherweise mehr auswahl.
    grüße
    m.

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    1. Ich bin positiv voreingenommen, weil ich in den späten 80ern mit einem entzückenden halbjapanischen Knäblein und seinem alemannischen Vater ein paar Jahre schönes Leben teilte...
      Lg u

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  3. Wow. Wie lange ist es her, dass ein "Aperçu" meine Lektüre gekreuzt hat -- danke für die Erinnerung, dass es dieses Wort gibt!

    LG, Christine M

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