Mittwoch, 13. Juni 2012

rot

draußen biegen sich die äste der uralten kiefern bedenklich im winde, der riesige rabenvogel mit der beachtlichen spannweite segelt auf den böen ziemlich knapp und irgendwie mittendurch. elegant ist anders.

nur einer bleibt selbst im größten sturm ungerührt: bruno kreisky, der hingegangene sonnenkönig, blickt vom zaun der seniorenresidenz auf seine alte villa gegenüber. immerhin: er hat lippenrot aufgelegt. jüngst.

Montag, 11. Juni 2012

bankenstütze

ich weiß ja nicht, wie ihr das seht - mir scheint jedenfalls, dass die these, architektur schaffe wirklichkeit, dadurch ziemlich gut bebildert wird, dass die unten (oder wo immer) abgebildeten institute bankenstütze in anspruch nehmen mussten. wer sich für solche titanic-inspirierte bauten entscheidet, führt einen stützungsbedarf ja schon auf der symbolischen ebene herbei. aktuell die bankia in madrid, lang zuvor schon die hypo alpe adria. leider kann ich am mobile blogger die fotos weder zuordnen noch untertiteln. die zwei umsinkenden türme stehen (noch) in madrid, das im heck absaufende in klagenfurt.

Montag, 4. Juni 2012

meditativ



für smilla! endlich kann ich auch mal ein schönes kuhbild beitragen.

daran konnte ich nicht vorbei! die auslage ist immer so toll dekoriert. sie gehört zu einer werkstatt, die eine frau betreibt, die polstermöbel grandios neu bezieht. das geschäft liegt bei mir um die ecke, die auslagendeko wechselt oft. und jedes mal bin ich aufs neue überrascht und entzückt.

Samstag, 2. Juni 2012

supermarktkassa II

euren kommentaren entnehme ich einen gewissen überhang in richtung geschwindigkeitsaspekt. okay. dann fang ich damit an:

meine hypothese ist, dass tatsächlich hofers (in d = aldis) vorlage maßgeblich dazu beigetragen hat, dass sich das tempo an den kassen auch bei den anderen ketten steigert. sei es, dass ex-hofer-kassiererInnen dort die interne konkurrenz anheizen, sei es, dass junge leute an den kassen der andren üben wollen, um bei hofer zu reüssieren. bekanntlich zahlt(e?) hofer mit abstand am besten. und die sportliche rasanz an den kassen war von anfang an ein ausgewiesenes markenzeichen bei denen.

bildquelle

mittlerweile wird das zur slapstickshow. in meinem schicken bezirk wohne ich nun erstmals in kürzester entfernung zu gleich zwei filialen, so dass ich beliebig studien anstellen kann. heute hatte ich wieder die gelegenheit und das vergnügen, den herrn an der kassa doof aussehen zu lassen. und das geht so:

in der filiale zieglergasse herrscht, wie es scheint, die auffassung, dass ein kassierer (bei den damen fällt mir das nicht so auf), keine millisekunde untätig auf säumige kunden warten darf. und der säumigkeit ist dort jeder kunde a priori verdächtig. also, kaum hat der kassierer den letzten tipp auf seine kassa getan, springt er wie von der tarantel gestochen auf, packt einen ca. 2 meter breiten besen, und fährt mit diesem wild im raum hinter der kassa rum. ich warte nur drauf, dass einer irgendwann mal karussellgleich vom boden abhebt am stiel des geräts.

ich aber bin gewappnet, mit gezückter quickcard und wenigen handlichen artikeln. und wieder ist es mir gelungen, den mann zu überlisten und mir den kassabon selbst zu nehmen, weil er sooo lang mit seinem lächerlichen besen rumtut. bis er es bemerkt, schlendere ich schon gemächlich hinweg. ich liebe es, den stress, den die machen, umzudrehen. was vermutlich gemein ist von mir. denn diese armen leute sind ja völlig identifiziert mit ihrer geschwindigkeit. und es macht vermutlich viel von ihrem selbstwertgefühl aus. ich aber sehe mich als rächerin von milliarden gedemütigter kundInnen.

jedenfalls scheint hofer seine leute (männer?) wirklich hervorragend zu motivieren, denn ganz von selber tut sich diese show doch niemand an für so relativ wenig geld, oder?



Freitag, 1. Juni 2012

supermarktkassa

nun muss ich wieder mal meine wahrnehmungen zur alltagskultur ordnen. und zwar anlässlich von phänomenen, die ich an supermarktkassen beobachte.

getriggert wurde dieses bedürfnis soeben durch die erfahrung, wie die kassierin bei billa mit dem mann vor mir umging, und wie anders sie danach mich abfertigte.

mein vordermann war ein netter, ökologisch engagierter (7.-bezirk-typ, alles aus der ja! natürlich-serie im warenkorb) ende-dreißig-anfang-vierziger. schwarze designer-jeans und schwarzes hemd, rote brille, schmales bartstreifchen am kinn. sein einkauf war groß und er hatte vergessen, die tomaten abzuwiegen. mit mütterlich-nachsichtiger duldsamkeit vergab es die kassiererin. er war auch schon zurück, bevor sie noch alles in normalgeschwindigkeit bonniert hatte. also gar kein zeitverlust. sollte man meinen. er war auch in der lage, alles rechtzeitig in seinen wagen umzuräumen, sodass ich dann ganz frei meinen einkauf in mein körbchen räumen konnte*.

die differenz in der haltung der kassiererin mir gegenüber aber war enorm. sie war vielleicht ein paar jahre jünger als ich, also eher ende vierzig, anfang fünfzig. kaum war der typ erledigt, legte sie ein tempo vor, als wäre die wilde jagd hinter ihr her**. sie verlor null zeit für einen blickkontakt mit mir und fetzte die artikel nur so über das registierfenster und runter in diesen hafen (mir fällt auf, dass ich keine ahnung habe, wie all der kram an einer ganz normalen supermarktkasse heißt, ich hoffe, ihr versteht die beschreibung trotzdem).

bildquelle

 dann die frage billa-card?, ich nein, mit bankomat bitte. ich hab natürlich alles parat und ihre geschwindigkeit locker mitgetragen, mache ja sonst keinen leistungssport. und dann zahl ich mit quick (wo man den code nicht eingeben braucht) und kann die karte entnehmen. und dann nichts. bis die kassa endlich den bon ausspuckt, vergehen gefühlte fünf minuten. sie funkelt mich in dieser zeit kurz böse an. ich hebe fragend freundlich die brauen. sie merkt: ich bin nicht schuld. und plötzlich ist sie genauso nett zu mir, wie zu dem typ davor.

ich könnte das jetzt a) unter *gender-blickwinkel weiter bedenken, oder b) unter **geschwindigkeitskriterien.

was interessiert euch mehr?