Samstag, 22. Oktober 2011

inkorrekt

ab und an erlebe ich angesichts politischer ereignisse inkorrekte emotionen.

z.b. war es so, als die twin towers zusammenkrachten. ich hatte die new yorker skyline ohne kennengelernt und geliebt, und hatte das world trade center lange als eine irritierende degradierung der proportionen der anmutigen art deco skyline erlebt. als sie plötzlich weg waren, war ich zwar empört und entsetzt wegen der politischen und menschlichen tragödie. jedoch, inkorrekter weise, war ich, vor dem fernseher zitternd, auch gleichzeitig erleichtert und glücklich, dass dieser architektonische störfaktor nun weg war. what a shame!

quelle: the guardian
vorgestern nun eine ähnlich politisch inkorrekte emotion angesichts des todes des libyschen diktators g. diesmal sagte der verstand okay zur ermordung oder was immer zu seinem tod geführt hatte.

aber die junge frau in mir, die anfang der 80er jahre unvermutet im bundeskanzleramt in wien in diesen damals umwerfenden und politisch viel versprechenden mann in revolutionärem khaki hineingelaufen und von seiner mit strahlendem lachen vorgebrachten entschuldigung schlicht hingerissen war, diese junge frau in mir war traurig.

Kommentare:

  1. Das kann ich gut verstehen! wäre schön, wenn er menschlich und hinreißend geblieben wäre, anstatt der machtgier zu verfallen

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  2. vielleicht war er auch damals schon wahnsinnig - man war einfach geblendet von der erscheinung. das ging wohl auch dem kreisky so. charisma ist halt nicht an gute und/oder gesunde menschen gebunden...

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  3. Wahrscheinlich ist es gut, dass man genau diese inkorrekten politischen Emotionen hat.

    Denn obwohl da z.B. ein übler Diktator Krieg gegen sein Volk geführt hat, ist es nicht rechtens, ihn dem "Aug um Aug"-Prinzip folgend zu erschießen. Auch wenn alle es als Recht und politisch korrekt empfinden. Und so haben auch die umgekehrten Emotionen ihren Platz. So was will uns daran erinnern, dass das Leben - glücklicherweise - nicht einfach gestrickt ist.

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