Mittwoch, 26. Oktober 2011

winterreifen

der autobesitz bringt ja allerhand verpflichtungen mit sich. so zum beispiel sommer- gegen winterreifen tauschen. das geerbte auto hat natürlich seinen ursprung bei einem autohändler mit angeschlossener werkstatt in oberösterreich, an der schönen donau unterhalb von linz. der ort hat keinen guten leumund, da dort eines der ärgsten konzentrationslager der nazis war.

die markenwerkstatt ist jedoch ein juwel zu günstigem preis. also werde ich sie frequentieren, solange ich ohnehin alle end lang nach linz zur mutter reise.

um dem auti seine erste überwinterung ohne garage in der großen großen stadt zu erleichtern, habe ich allerhand schutzmaßnahmen für seine unteren hohlräume veranlasst. das bedeutet aber auch, dass das auto über nacht trocknen muss. ich bekomme ersatzweise einen leihwagen für die weiterreise nach linz:


der leihwagen, der mir zugedacht ist - jo, mir haum heit kan audern mehr do - ist zunächst ein schock für mich. der vater hat doch immer einen smart oder eben auch eine a-klasse bekommen. ich also darf heute in der zwar auch ganz schön alten, aber doch für meine begriffe recht tollen und großen limousine reisen.

ich stelle mich an, wie der erste mensch. habe mittlerweile total vergessen, wie eine gangschaltung funktioniert. diese ist zudem ein wenig ausgeleiert, sodass ich nicht gleich merke, dass der wagen deshalb  abstirbt, weil ich versuche, in der dritten anzufahren. was solls.

ich holpere also aus der ausfahrt und trau mich nicht auf die straße, sondern nur auf die nebenfahrbahn ins benachbarte firmengelände einer französischen automarke. dort ergründe ich im schutz der anonymität mein leihfahrzeug. und siehe da, nach fünf minuten orientierung und  rumzuckeln, gehts natürlich ganz leicht.

was ich nun merke, ist, dass es was ausmacht, in was für einem wagen frau unterwegs ist. der blondiefaktor, den mir die a-klasse erneut gewährt, ist gar nix gegen das kavaliertum, das mir plötzlich von anderen autofahrern entgegengebracht wird in diesem kübel. ich darf davon ausgehen, dass mir jeder zweite charmant eine unberechtigte vorfahrt gewährt. spurwechsel ist nach blickwechsel überhaupt kein thema mehr. sogar ein rarer parkplatz in der linzer city wird mir überlassen. ich fasse es nicht.

weshalb habe ich studiert, promoviert, meinen platz in der männerwelt erarbeitet? ein größerer mercedes hätts auch getan.

Dienstag, 25. Oktober 2011

ausgesperrt


aus ists mit meinem himmelsparadies in der neuen wohnung. genau ein jahr hat die ungetrübte freude gewährt. solche blicke sind fortan damit gefiltert:



seltsame geräusche von draußen haben mich gestern vormittag irritiert, etwas im hof, am dach, vor den fenstern. als ich zu mittag in die küche komme und mein süppchen am fensterplatz einnehmen will, ist irgendwas anders am himmel. nicht sehr aufdringlich. aber sehr anders:

ich, wir sitzen im käfig. und die tauben können reinschauen. irgendjemandes taubenparanoia verdanken wir, dass wir nun hinter netz abgeschirmt werden vor der schrecklichen gefahr eines taubenangriffs auf unser unschuldiges hausbewohnerleben. trudi, die mördertaube, wird schön schauen. herrgott und fraugöttin nochmal, sind die leute völlig blödsinnig? was das kostet. wo sich heuer im sommer ein einziges mal eine taube auf das sims im hof verirrt und - zugegeben - auf die schwelle geschissen hat. das ist jetzt aber vorbei, ihr bösenbösen tauben!

naja, ich werd mich dran gewöhnen. aber gestern bei der suppe wußte ich gleich, dass ich auch in dieser wohnung nicht ewig bleiben werde.

aus rache habe ich nun von der hausverwaltung eine neue inneneinrichtung für meinen kühlschrank verlangt. und alle kleinen risse und brüche in riesigen fotodateien dokumentiert und denen geschickt zur werten bearbeitung.

Montag, 24. Oktober 2011

rückrufaktion


neulich hatte ich im neuen gebäude der oberösterreichischen landesregierung zu tun. die veranstaltung fand in der großzügigen mensa des hauses statt.

am ausgang fand ich dieses plakat vor. die diensteifrigen angestellten des amtes nehmen wohl gerne ihre nachspeisen mit zurück an den schreibtisch - als kleinen trost am langen nachmittag.

ich stelle mir vor, wie sich in den mondänen zimmerecken neben den blumentöpfen die schüsseln stapeln. bzw. welchen alternativen verwendungen sie praktischerweise zugeführt werden - eben blumentopf, behältnis für büroklammern, naschwerk, wer weiß was noch alles.

bildquelle
jedenfalls spricht das im corporate design des ldz (landesdestleistungszentrum) gestaltete plakat sehr für die grafikabteilung des hauses.

Samstag, 22. Oktober 2011

inkorrekt

ab und an erlebe ich angesichts politischer ereignisse inkorrekte emotionen.

z.b. war es so, als die twin towers zusammenkrachten. ich hatte die new yorker skyline ohne kennengelernt und geliebt, und hatte das world trade center lange als eine irritierende degradierung der proportionen der anmutigen art deco skyline erlebt. als sie plötzlich weg waren, war ich zwar empört und entsetzt wegen der politischen und menschlichen tragödie. jedoch, inkorrekter weise, war ich, vor dem fernseher zitternd, auch gleichzeitig erleichtert und glücklich, dass dieser architektonische störfaktor nun weg war. what a shame!

quelle: the guardian
vorgestern nun eine ähnlich politisch inkorrekte emotion angesichts des todes des libyschen diktators g. diesmal sagte der verstand okay zur ermordung oder was immer zu seinem tod geführt hatte.

aber die junge frau in mir, die anfang der 80er jahre unvermutet im bundeskanzleramt in wien in diesen damals umwerfenden und politisch viel versprechenden mann in revolutionärem khaki hineingelaufen und von seiner mit strahlendem lachen vorgebrachten entschuldigung schlicht hingerissen war, diese junge frau in mir war traurig.

Dienstag, 4. Oktober 2011

erinnerung

ich muss das jetzt endlich mal schreiben: die 'zeit im bild' kommt hdtv über den bildschirm, der kanzler faymann spricht heraus. und ich frage mich, seit werner faymann unser bundeskanzler ist und man ihn alle end lang in den medien hört und sieht, an wen er mich so ganz tief drinnen erinnert. und zwar in seiner rede, in seiner haltung, einfach überhaupt. es ist eine angenehme, ein klein wenig aufregende erinnerung.

mit diesem eintrag erreiche ich vermutlich nur das mitgefühl eines sehr eingeschränkten leserInnenkreises, nämlich diejenigen, die im österreichischen fernsehen den kasperl angeschaut haben als kinder. und zwar die ab 1957 laufenden folgen von kasperl und pezi.

jetzt ist es klar: werner faymann hat pezi nachhaltig in sich aufgenommen. pezi ist praktisch der archetyp, dem das schicksal des kanzlers folgt, würde c. g. jung sagen. ewiges pezitum die lebensphilosophie des mannes.

ob sich faymann als kanzler ebenso lange hält, wie pezi beim kasperl? wer weiß, wieviele ihn wählen, weil sie als babys auf pezi geprägt wurden wie die graugänse auf konrad lorenz. unabsehbare folgen.