Montag, 29. August 2011

gebirge

zu diesem bericht wurde ich angeregt durch den unglaublichen schwan, den die familie 356 bewältigte:

ich hatte das vergnügen, meinen urlaub mit der familie schwemmholz an den gestaden des traunsees ausklingen zu lassen, und zwar - einem tipp der frauen schwemmholz (hier sieht man ihre bildreportage des denkwürdigen ausflugs) und waldviertelleben folgend - in der ramsau, wie die gegend unterhalb des traunsteins bei gmunden heißt.

in diesem gasthof gibt es einen traditionellen biergarten am see. dazu eine steinalte wirtin, die unbeirrt und im service praktisch allein ihre majestätischen bahnen zieht und sich wundert, dass 'die leut heutzutag ka zeit mehr haum' und das geld einfach auf dem tisch liegen lassen.

wir haben das schon verstanden. auch wir haben viele stunden, einen halben nachmittag inklusive sonnenuntergang, auf unser essen gewartet. und schließlich gabs die legendären ramsauer spitze. ein gebirgsförmiges süßes windgebäck mit allerhand creme und schlagobers bedeckt und gefüllt. vermutlich sieht 'da stoa' (recte: traunstein) so aus, wenn winter und muren das ihre dazu tun.

es schmeckte wohl. die groß gewachsenen schönen und sportlichen kinder brauchten je zwei spitze. mir genügte einer, danach kräuterbitter.

was ich jedoch besonders bezaubernd fand: es gibt ein patent auf den ramsauer spitz. ausgestellt von der handelskammer an einem 2. dezember in den frühen 1950ern. auf dem weg zum klo hab ich die urkunde entdeckt und diskret für die welt festgehalten:

Samstag, 20. August 2011

schwankungsbreite

wenn etwas gewiss ist in meinem leben, dann sind es gewichtschwankungen. in den ersten zwanzig erwachsenenjahren konnten das mehr als dreißig kilo sein. mittlerweile ist es vielleicht noch die hälfte - ich erreiche nicht mehr die untergrenze, weil meine verliebungen nicht lange genug dauern, und nach oben machen meine gelenke nicht mehr mit. also schwanke ich zwischen amtlichem normal- und übergewicht, mit eindeutigem hang zu letzterem.

mit bewegung abnehmen ist leider ein killer fürs knie. davon abgesehen, finde ich den - im vergleich zum kaloriengehalt in jedem bissen essen - geringen kalorienverbrauch extrem demotivierend. also bleibt bis zur erklechlichen gewichtsabsenkung und damit entlastung des bewegungapparats nur die entsprechende ernährungsumstellung - askesemodus.

was ich aus meiner erfahrung nicht bestätigen kann, ist der geheimnisumwitterte jojo-effekt oder das gerücht, dass abnehmen mit dem alter schwieriger wird. ich nehme zu, wenn ich hemmungslos schlemme, und ich nehme ab, wenn ich weniger esse. und eben askese walten lasse, indem ich zucker- und fettkonsum sehr runterfahre und alkohol weglasse.

aber das um und auf ist die motivation. und die heißt bei mir jetzt befreites knie. ich hoffe sehr, das reicht aus.

Montag, 15. August 2011

schwach

heute ist es genau ein halbes jahr her, seit mein vater gestorben ist. es ist mir vor allem deshalb aufgefallen, weil ich gestern unbändigen hunger nach süßem hatte und mich heute schrecklich schwach fühlte. diese kombination kenne ich jetzt schon: es ist kurz bevor der verlustschmerz heftig aufwallt.

der schmerz wird nicht geringer. aber er kommt seltener. er lässt sich durch nichts relativieren und ich kann mich auch nicht davon ablenken. nach einer zeit ist es vorbei. das letzte mal war es vor zwei monaten so heftig.

heute hat der himmel geweint, und ich auch.

Sonntag, 14. August 2011

bilderbuchsommersonntag

dieser vollmond gestern hat einen strahlenden, richtig heißen sommertag gebracht.

so ein mond geht überraschend schnell auf, habe ich festgestellt. heute habe ich die atemzüge gezählt - einundzwanzig, und er war heroben über der bergkuppe. ich atme langsam, zugegeben. mond schauen ist eben meditieren.

den steg hatte ich an diesem bilderbuchsommersonntag ganz für mich - ich fühlte mich wie eine fürstin. die anderen waren entweder mit abreise oder anreise oder ausflug zugange. herrlich.

ich reise mittwoch. mal sehen, ob nochmal schwimmen drin ist bis zu meiner abreise. vermutlich ja. im ganzen, in anbetracht des unsommerwetters, gab es aber nur drei tage, an denen schwimmen gar nicht ging. andrerseits nur zwei echte sommertage, soll heißen, dass man abends noch draussen sitzen konnte ohne pelzjacke.

Samstag, 13. August 2011

übergänge

das wechselhafte wetter hat auch seinen zauber - in den übergängen wachsen die regenbögen.

dieser hier war hinter meinem rücken, aber er hat dermaßen ausgestrahlt, dass ich plötzlich das gefühl hatte, ich muss mich umdrehen. und ich hab aufgeschrieen - noch nie hab ich so ein exemplar gesehen. das handy zoombild ist ein matter abklatsch. er war so breit und leuchtend gegen den gewitterdunklen hintergrund wie eine zwanzigspurige nächtliche autobahn in l.a.

in einem traum hat mir mal eine donnerstimme gesagt, mein aufrag wäre, die schönheit der schöpfung zu preisen. vielleicht sollt ich damit anfangen.

Mittwoch, 10. August 2011

ledig

die kuh yvonne ist eine ikone der selbstbestimmung, wie ich finde. bin gespannt, ob sie auf den angeblich unwiderstehlichen bullen reinfällt, den man nun auf sie ansetzt, um sie vor dem abschuss durch die polizei zu retten (sie könnte ja vom wald auf die straße gehen). vermutlich sollte sie sich fangen lassen um ihre freiheit zu bewahren, denn dann landet sie am gnadenhof gut aiderbichl. ist sicher viel netter als beim fleischhacker, dem sie ausgebüchst ist, klugerweise.

keep going, yvonne und bleib von der straße weg!

durch diese geschichte ist mir wieder eingefallen, wie ich den begriff ledig lieben gelernt habe:

eine freundin hat erzählt, dass man in ihrer mühlviertler heimat sagte: die kua is ledig gangen, wenn eine wie nun offenbar yvonne ihrem verbrauchsorientierten kuhschicksal in den wald entwich.

geparkt

meine sorge, das auto würde meine ruhe im urlaub untergraben, war ganz unbegründet. seit ich hier angekommen bin, steht es in der einfahrt, an die hecke zum park des nachbaranwesens geschmiegt. die letzten schechtwettertage, wie vorherzusehen war,  ganz alleine - alle anderen gäste sind on the road - eurotherme bad ischl vermutlich.

vielleicht wäre ich auch in versuchung, wenn ich nur ein zimmer hätte und nicht mein cozy kleines appartement unterm dach.


morgen allerdings machen wir uns auf den weg zu meiner schwester nach golling. auf kürzestem weg, das heißt durch das hübsche und kurvenreiche wiestal. da kann ich dann wieder üben, mit diesem auto bergab um die kurve zu reisen. es macht mich immer noch nervös, dass ich mit der automatik nicht runterschalten kann, nur bremsen. in diesen kurvensituationen merke ich ausserdem, dass dies das auto ist, dessen prototyp den elchtest nicht bestanden hatte.

heuer besuche ich meine schwester, weil ich nun ja selber ein auto habe. bisher ist immer sie hierher zum ferienbesuch gekommen. ich liefere ihr dabei meinen orientteppich als dauerleihgabe. ich habe teppichmäßig zu meinem eigenen erstaunen auf einen grünen punkt und ein pinkes quadrat von ikea umgestellt.

Dienstag, 9. August 2011

sonnenfensterchen

soeben habe ich ein sonnenfensterchen genützt um milch, obst und käse nachzuladen im kleinen supermarkt mitten im ort. der ist erstaunlich wohl sortiert und wird offenbar sogar von ortsansässigen, die anschreiben lassen dürfen - wo gibts den sowas noch? - gerne frequentiert.

auf dem weg dorthin ist mir eingefallen, dass ich mir ja eine massage im weißen rössl holen könnte. ich wähle stwo massage in meinem handy. eine junge quietschvergnügte stimme meldet sich mit einer unverständlichen ansage. ich frage, ob ich richtig bin bei der massage. ja, sagt sie. fein, sag ich, wann kann ich einen termin haben heute oder morgen - rücken?


leider, sagt sie, geht nicht. sie sei nur das
lehrmädchen, sie dürfe nicht. die masseurin
hingegen sei seit wochen krank (die war mir ohnehin letztes jahr nicht sympathisch). ich sage, was dürfen sie denn? nix, sagt sie. ich: nicht mal füße? ah ja, ruft sie, das darf ich: zehn minuten packung, zehn massage. na sehen sie, sag ich. wann kann ich kommen?  um halb drei. was kostet es? vierzehn euro. geht doch. ich bin gespannt auf das vergnügte fräulein.

das sonnenfensterchen hat sich mittlerweile ganz aufgetan - was für eine angnehme überraschung. ab auf den steg - und vielleicht in den see.



Montag, 8. August 2011

cozy

es gibt eine zeitschrift, die heißt living at home. der titel könnte für meinen lieblingsseinszustand erfunden worden sein. soweit ich mich erinnern kann, hab ich allerdings nie ein exemplar der  druckschrift erstanden in den bahnhofsbuchhandlungen, in denen ich sie durchgeblättert  habe.

das weiße rechts oben ist der schnürlregen

bei dem schnürlregen heute macht sich meine gemütliche bleibe sehr bezahlt. hier kann ich gut daheim sein.

die großbürgerliche bis aristokratische angewohnheit der sommerfrische hatte ja in meiner kindheit bereits den weg in die unteren ränge der gesellschaft gefunden. wir hatten eine kleine wohnung im mühlviertel bei einem kleinhäusler und nebenerwerbsbauern im ausgebauten ersten stock. mitsamt dem reisevogelkäfig, den mein vater für meinen kanari carrotti falotti gebaut hatte, und mit dem halben hausstand im sommer aufs land. reines glück durchflutet mich bei der erinnerung an endlose tage in wald, feld und bach. und bei regen eben drin in der gemütlichen stube.

ich bin sehr froh, dass ich dieses kinderglück verlässlich wiederherstellen kann, es ist ein jungbrunnen. die zutaten, die es braucht, haben sich im weiteren verlauf meines lebens noch ein wenig angereichert:

eine alte villa, wie hier, solls sein, seit ich ab zwölf den einen oder andren jungmädchensommer in einer solchen bei einer freundin verlebt habe. da es ihr familiensitz war, haben wir die regentage am dachboden verbracht, alte gewänder angezogen und jahrgänge der gartenlaube verschlungen.

später die sommer au pair in den französischen schlössern haben noch eine vorliebe für gemütliche mansarden mit sich gebracht.

man kann sich leicht vorstellen, dass frau noschoko unterm giebel oben residiert

dann die vielen vielen sommer am see in kärnten. also soll ein see dabei sein.

alles hab ich hier: wald bach see villa mansarde, reines cozytum. glück pur.  heute wird der zweite tag in diesem urlaub sein, an dem ich nicht schwimmen geh. gestern vormittag, vor dem großen regen gings noch wunderbar.

Freitag, 5. August 2011

balkon

hier habe ich einen recht geräumigen wettersicheren morgensonnenbalkon, der sich auch für regentage eignet, wenn die nicht zu kalt sind. also heuer nicht, denn es wird immer gleich richtig kalt.

nach dem schwimmen heute vormittag und aufwärmen am sonnigen steg, sitze ich nun wieder hier (der nächste regen kommt erst nachts, angeblich) und erlebe die vöglein in der linde, die fernen wanderer am berg, die schifffahrt auf dem seestück, das ich von hier sehe, das pfeifen der schafbergbahn hinter den bäumen.


soeben ist ein sehr hübsches silbernes altcabrio zugeflogen. es parkt unten bei hecke. offen. unversperrt. die schweinslederne innenausstattung ungeschützt. der fahrer vertraut wohl auf das gute im menschen, und auf den wetterbericht. und man muss sagen, der stimmt auch ziemlich genau bis jetzt.

stunden später, die sonne ist längst hinter den wolken verschwunden:

der besitzer ist doch nicht ganz so cool, jetzt hat das cabrio sein häubchen auf.

Donnerstag, 4. August 2011

regentag

zwei bücher und einen regentag weiter im urlaub am see. meine schweigekur schlägt herrlich an. jetzt tanzen noch geschwinde die abendsonnenmännchen über die berge.

gestern, als ich versonnen auf den regen im see blickte beim warten auf mein abendgulasch, hab ich eine kleine spinne bemerkt, die ungerührt ihr netz zwischen zwei blättern vom wilden wein vor dem fenster gewebt hat. sie hat sich so eine arbeit gemacht - die ganze zeit, die ich dort war, fast eine stunde. und dann war sie noch nicht fertig. jedenfalls dachte ich mir, das täte die sich nicht an, wenn echter dauerregen käme.

die bücher waren:

das schmale bändchen das wird mir alles nie passieren... von marlene streeruwitz, das sie als crossmedia-projekt auf ihrer homepage weitergesponnen hat. ich glaube es sollten auch die leserInnen dabei mittun. ich bin nicht sicher, inwieweit das geklappt hat. jedenfalls ist mir dadurch wieder eingefallen, dass ich manchmal davon träume, einen endlosen roman im internet zu schreiben, weil die möglichkeiten, jeder figur und jedem strang in varianten nachzugehen, mir so verlockend erscheinen. allerdings fürchte ich, dass ich davon nicht leben könnte. na, vielleicht mach ichs, wenn ich so alt bin, dass mich das nicht mehr schreckt.

dann von thomas glavinic das leben der wünsche, mit dem aufkleber bestseller, was mich nicht wundert. die geschichte ist gut konstruiert. geschrieben, so dass man nicht denken muss, aber kann. offenbar deutsch lektoriert. oder der autor hat sich schon in selbstzensur jeglicher austriacismen enthalten und für den deutschen markt geschrieben. fand ich ein bissl schade. der ton ist schon recht glatt dadurch.

ja, toller urlaub bisher.

Mittwoch, 3. August 2011

inkognito


mit divenhafter sonnenbrille und unsäglichem antisonnenstichhütchen wahre ich meine privatsphäre am steg. der see ist herrlich und die wassertemperatur steigt mit jedem regenfreien sonnentag - deren heute der letzte ist für einige zeit, wenn ich den vorhersagen trauen darf.

ich liebe die alten liegestühle am steg, obgleich sie höchste konzentration beim niederlassen und aufstehen verlangen, da sie sonst gern unter ihren besitzerInnen zusammenklappen, was nur für die anderen sehr lustig aussieht. slap stick mit schmerzhaften folgen. überhaupt liebe ich die holzstege, die hier üblich sind. es gibt nichts besseres als nach einem kühlen schwumm auf dem heißen holz rücklings oder bäuchlings abzutropfen.

auch der geruch von heißem holz in der badhütte beim umkleiden, die finsternis, die durch die dünnen sonnenstege erhellt wird, die durch die ritzen der hüttenwand entstehen - herrlich ewig sommerfrischer paradieszauber.

Dienstag, 2. August 2011

schweigen

gerade mal der dritte tag und das schweigen entfaltet seine wundersame wirkung. alles wird langsam und klar. die freundlichen berliner am steg haben verstanden, dass ich - noch - nicht konversieren kann. jedenfalls nichts was über grüßen, bitte und danke sagen hinausgeht. evtl noch eine bemerkung zum wetter und zur temperatur des sees.

heute hab ich schon vergessen, das handy mitzunehmen. was für eine köstliche freiheit.

auf kostspieligen umwegen habe ich dieses foto vom ersten abendbesuch am see ins netz gebracht, das meine aufsteigende ruhe gut darstellt:


das erste buch ist ausgelesen - der sommer ohne männer von siri hustvedt. war gut zu lesen. dennoch bin ich einigermaßen befremdet, welch  symbiotische ehen meine amerikanischen lieblingsautorinnen offenbar sehr gut kennen. bei j.c.oates hat das buch über ihre witwenschaft nach raymond smith diese tatsächliche gegebenheit eröffnet. bei s. hustvedt befürchte ich was ähnliches betreffs herrn auster. aber wer weiß, vielleicht bin ich nur auf die ich-erzählerin hereingefallen. jedenfalls  verlieren beide, jco und die heldin von  s. hustvedt über der tatsache, nach  einigen jahrzehnten ehe plötzlich ohne mann dazustehen, vorübergehend den verstand.

ich hingegen gehe zum nächsten buch über. alles muss frau ja nicht selbst erleben, glücklicherweise.

Montag, 1. August 2011

seefreuden

heute war ich schon schwimmen. das gütige wettergeschehen gibt nun angeblich drei tage sonne her. das wasser ist herrlich. angesichts der regenmassen ziemlich frisch. das schreckt mich nicht. aber viele andere. das bedeutet, frau hat den see meist ganz für sich.

ärgern tu ich mich über mein netbook, ich kann keine bilder mehr hochladen. ich hatte zwar gleich mal ein solch praktisches kleines maschinchen, kaum dass es das gab. aber jetzt ist es halt alt (dreieinhalb jahre, biblisch), wird immer langsamer und kann allerhand nimmer. ich fürchte, ich kaufe im affekt ein neues, wenn sich mir eins zeigt.

tut mir sehr leid, dass ich die hübschen fotos nun nicht posten kann. zur erinnerung: hier, und hier zum beispiel.