Sonntag, 8. Mai 2011

zeitreise

einblick
seit je verbinde ich beschauliche gedanken mit dem wort "gartenpavillion". ich würde an einem solchen ort das machen, was ich ohnehin am liebsten tue, und was ich bei mir selber "herumkugeln" nenne. das heißt: sitzen, lesen, in die luft, aus dem fenster, an den plafond, auf den boden etc. schauen. ziellos herumgehen und -denken. schreiben.

durch lektüre höfischer romane aller zeiten kommen zu einem solchen ort noch assoziationen von liebelei, leidenschaft und potenziellem drama. nicht, dass ich diese orte für ideal hielte, irgend etwas geheimes tun zu wollen. dieses exemplar eines gartenpavillions beim barocken schloss laudon im wienerwald lädt ja nicht nur zum rausschauen, sondern auch zum reinschauen ein.


ausblick
bei meinem ausflug gestern ist mir nun wieder einmal ein solcher zauberhafter ort untergekommen. ich hatte, in erinnerung an erste wiener zeiten, die nächste straßenbahn bestiegen und an deren endstelle - an der es auch ein schloss gibt, aber weniger romantisch - einen weiterführenden bus bestiegen. dieser bus mit der nummer 249 erreichte auf erstaunlichen umwegen durch den wiener grüngürtel und seine aus verschiedensten epochen datierende wohnbebauung (der bezirk heißt nicht umsonst hütteldorf, wenn es weit draußen an manchen stellen auch villendorf oder schlossdorf heißen könnte), schließlich das schloss.

schloss laudon mit gartenpavillion im vordergrund
schloss laudon dient heute als verwaltungsakademie des bundes, auch zwei fachhochschulinstitute sind dort angesiedelt.

ich kannte das schloss noch nicht, und da ich dort demnächst einen großen frauenworkshop machen werde, wollte ich mich mit dem genius loci ein wenig vertraut machen. 

das schloss ist ein wasserschloss in einem weitläufigen park. am gestrigen strahlend sonnigen nachmittag stand die eleganz der location in auffälligem kontrast zum vorherrschenden knoblauchduft, der dem in voller blüte stehenden bärlauch entströmte.



bärlauchorgie
im schloss gab es geschäftige vorbereitung für ein hochzeitsfest - wie ich wegen des weißen blütenschmucks in den treppenhäusern annehme. ich selber war die einzige müßiggängerin. im park fand ich mich daher beim herumschlendern durch kastanienalleen, entlang kleiner kanäle, inmitten all der blüten, wiesen und marmornen wildschweine, engel und göttinnen, geschwind ein im zeitreisegefühl.

Kommentare:

  1. kenne ich gar nicht, da habe ich sicher etwas versäumt. war dort nicht früher immer ein restaurant??
    liebe grüße in deinen nachmittag
    ingrid

    AntwortenLöschen
  2. ja, liebe ingrid, die laudonstube - www.laudonstube.at - gibt es heute noch. ich hab dort nur kurz reingeschaut, weil der bus schon kam.
    lg u

    AntwortenLöschen
  3. schöner Ausflug, und der Bärlauch erinnert mich dran dass er im Botanischen Garten so wächst.

    AntwortenLöschen