Freitag, 22. April 2011

seegang

nun hab ich sie mir also gestern, passend zum gründonnerstag, nachgekocht, die eggs florentine. ich hatte solche lust darauf bekommen, und ilses beschreibungen ermutigen mich sowieso oft zur nachahmung.

was ich nicht bedacht hatte: ich vertrage die kombination von weißbrot, blattspinat, ei und hollandaise wohl nicht wirklich... mitten im genuss fiel mir zudem ein, dass ich schon einmal unbezwingbaren appetit auf eggs florentine bekommen hatte, nämlich auf dem seeweg nach amerika.

dieses bild zeigt ja einiges, das längst vergangen ist
die geschichte geht so: während der wg nr. 1 in den frühen 80ern hatten die hauptmieterin und ich beschlossen, als alte damen mit dem schiff nach new york zu reisen. das stellten wir uns aus vielen gründen, die bei gelegenheit hier auch noch zur sprache kommen könnten, ausgesprochen toll vor. so wars dann auch, in jeder hinsicht, denn wir haben die überfahrt schon in den 90ern gemacht.

am dritten der fünf tage fuhren wir in eines der üblichen atlantischen tiefs ein, die windstärke betrug 12 und die wellen waren genausoviele meter hoch. ich hielt mich erstaunlich gut. bei dieser gelegenheit möchte ich dennoch jedem menschen davon abraten, an die stabilisierende wirkung von stabilisatoren in ozeankreuzern zu glauben. die qe2 war ja nun wirklich nicht irgendein schiff. dennoch schwankte der boden in halsbrecherischer weise.

zu mittag gab es unter anderen menues auch eines mit eggs florentine. meine wahl! die befremdeten blicke der gefährtin ignorierte ich entschlossen. ebenso die an die fensterfront des speisesaals schlagende gischt - der saal war im vierten stock über wasser.

der rest ist geschichte. ich wurde seekrank bis zur bewusstlosigkeit und verstehe heute die bedeutung des französischen wortes écoeuré für sterbensübel. ich dachte wirklich, eine eiserne faust risse mir das herz aus dem leib.

so schlimm wars heute nicht. das gericht schmeckte mir wieder vorzüglich, bis mir gegen ende hin ein wenig beklommen wurde. und dann fiel mir auch meine eroberung amerikas auf dem seewege wieder ein. ich nahm dann einen schwedenbitter. soweit ist es damals nicht mehr gekommen.

Kommentare:

  1. deine geschichte ist wunderbar erzählt. seereisen sind auch nicht meines. dauermagenflau.
    hab schöne osterfeiertage!
    liebe grüße aus dem sommerlichen waldviertel
    ingrid

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  2. oh je schade dass du's nicht genießen konntest!
    Eine Seefahrt wäre für mich der Supergau...ich wurde schon sterbenskrank auf der Fähre zur Isola del Giglio!
    Trotzdem: Wunderbare Ostern!

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  3. euch auch wunderbare ostern in eure schönen gegenden! auch wien ist diesmal wunderbar, ich werde dann gleich mal den flieder auf dem heldenplatz posten.
    @ilse: ich habs sehr genossen, bis eben gegen ende die bekannte flauheit aufkam...

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