Montag, 25. April 2011

verkleidung

angeregt durch diesen post von waldviertelleben ist mir mein 48. geburtstag wieder in den sinn gekommen. es ergab sich so, dass ich an diesem geburtstag das fest beging, das ich mir eigentlich für den 50. vorgenommen hatte. es sollte sein wie im märchen:

an einem schönen späten sonntagvormittag im märz bestellte ich dreizehn feen in den damaligen palast der hauptmieterin, und sie kamen alle, in schüben. sie brachten auch geschenke, eine sicherheitshalber dreizehn goldene tellerchen (also eigentlich teller mit goldrand), damit es keine verwünschungen gäbe.

als feen waren sie dadurch ausgewiesen, dass ich als dresscode "ballkleid" ausgegeben hatte (hier die assoziation zum blogpost oben). damit die jubelfotos uns nicht zu peinlich würden, habe ich meine damenmasken mitgebracht. jede ankommende tranche von feen posierte mit mir und wurde geknipst. auf dem foto sieht man links die wg-freundinnen aus den achzigern, rechts die göttinnen-freundinnen aus den neunzigern. die späteren kamen später.

ich selber trug mein weißes debütantinnenballkleid von 1971, das mir ungefähr alle zehn jahre mal passt. dieses window of opportunity wollte ich auch damals nicht auslassen, als mich ein jugendlicher liebhaber so wunderbar in form gebracht hatte. (überhaupt kann ich junge liebhaber zum abfackeln von wechselhitzen nur empfehlen. besser als jedes andre haus- oder pharmamittel.)

jetzt hängt das hübsche stück, das ballkleid meine ich, auch wieder vergnügt im neuen regal und wartet auf eine auftrittsmöglichkeit für verkleidung. reinpassen würde ich vermutlich, wenn ich an die drei wochen auf eis und kuchen verzichtete.

damals habe ich übrigens in einem einschlägigen geschäft für damenbedarf in der nähe des gürtels auch noch äußerst günstig ein paar weißer märchenstöckelschuhe mit goldenen beschlägen dazu gekauft. dallas-style, könnte man sagen. die dinger haben einen tollen leisten und halten sicher noch viele hundert jahre.

Freitag, 22. April 2011

flieder


ostern in wien diesmal ein rausch von blüten. hier der flieder vor dem leopoldinischen trakt der hofburg auf dem heldenplatz und am zaun des volksgartens daneben.

seegang

nun hab ich sie mir also gestern, passend zum gründonnerstag, nachgekocht, die eggs florentine. ich hatte solche lust darauf bekommen, und ilses beschreibungen ermutigen mich sowieso oft zur nachahmung.

was ich nicht bedacht hatte: ich vertrage die kombination von weißbrot, blattspinat, ei und hollandaise wohl nicht wirklich... mitten im genuss fiel mir zudem ein, dass ich schon einmal unbezwingbaren appetit auf eggs florentine bekommen hatte, nämlich auf dem seeweg nach amerika.

dieses bild zeigt ja einiges, das längst vergangen ist
die geschichte geht so: während der wg nr. 1 in den frühen 80ern hatten die hauptmieterin und ich beschlossen, als alte damen mit dem schiff nach new york zu reisen. das stellten wir uns aus vielen gründen, die bei gelegenheit hier auch noch zur sprache kommen könnten, ausgesprochen toll vor. so wars dann auch, in jeder hinsicht, denn wir haben die überfahrt schon in den 90ern gemacht.

am dritten der fünf tage fuhren wir in eines der üblichen atlantischen tiefs ein, die windstärke betrug 12 und die wellen waren genausoviele meter hoch. ich hielt mich erstaunlich gut. bei dieser gelegenheit möchte ich dennoch jedem menschen davon abraten, an die stabilisierende wirkung von stabilisatoren in ozeankreuzern zu glauben. die qe2 war ja nun wirklich nicht irgendein schiff. dennoch schwankte der boden in halsbrecherischer weise.

zu mittag gab es unter anderen menues auch eines mit eggs florentine. meine wahl! die befremdeten blicke der gefährtin ignorierte ich entschlossen. ebenso die an die fensterfront des speisesaals schlagende gischt - der saal war im vierten stock über wasser.

der rest ist geschichte. ich wurde seekrank bis zur bewusstlosigkeit und verstehe heute die bedeutung des französischen wortes écoeuré für sterbensübel. ich dachte wirklich, eine eiserne faust risse mir das herz aus dem leib.

so schlimm wars heute nicht. das gericht schmeckte mir wieder vorzüglich, bis mir gegen ende hin ein wenig beklommen wurde. und dann fiel mir auch meine eroberung amerikas auf dem seewege wieder ein. ich nahm dann einen schwedenbitter. soweit ist es damals nicht mehr gekommen.

Donnerstag, 21. April 2011

vorfreude

wenns gelingt, hole ich morgen mit hilfe der rebellin noch zwei möbel beim möbelhaus aus schweden. das eine, eine art truhe, soll dies und das aufnehmen und endlich die letzten schachteln zum verschwinden bringen. das andre soll laptops, modems und kabel den blicken entziehen.

componibili von kartell
per mail bestellt habe ich aber gerade diese beiden reizenden zwerge:

der kleinere wird im regal zu füßen der göttinnen wohnen und die versammelten wohlgerüche in ihren flakons aufnehmen. das wird wohl ein stockwerk erfüllen. das zweite stockwerk steht widmungsmäßig noch zur disposition.

der dreistöckige wird neben dem kopfende meines bettes stehen, wo traditionell sämtliche alltagsheilmittel ihren platz haben. ein bis zwei stockwerke werden also medizinschränkchen. auch hier bleibt ein fach für spontane zweckbindung frei - so hoffe ich.

wenn sich in diesem fall die einschätzung des raumbedarfs ähnlich exakt herausstellt, wie beim großen regal, dann bin ich sehr zufrieden.

Montag, 18. April 2011

identifikation

wie schon hier in den kommentaren angedeutet, bin ich von der kunst zum kitsch gekommen. und hab begonnen, kitschgöttinnen um mich zu versammeln. was mir an den frühen schlafzimmersoftpornos so gefällt, ist die mögliche identifikation auch für frauen. nach der schlafenden venus aus dem vorhergehenden post hier noch die dreifache göttin aus meinem kleiderschrank:



ich hatte im altwarenladen den rahmen erworben, für einen spiegel. die braune pappe, die im rahmen war, hab ich erst zuhause genauer angesehen und bemerkt, dass unter der patina von hundert jahren - ofenheizung, küchendünsten und pfeifenrauch (meine analyse entsprechend der kenntnis der damaligen haushalte) - ein bild verborgen war.

ich hab mit einem feuchten tuch und seifenlauge den belag weggewischt und seither begleiten mich diese drei göttinnen. in meinem lieblingsambiente: am see.

Samstag, 16. April 2011

träumen

dieses kitschbild steht auf meinem küchenoberschrank. es zierte einst das schlafzimmer meiner großeltern. mein vor kurzem verstorbener vater wurde wohl darunter gezeugt. die forschung meint ja, diese bilder wären genau zum zweck der arterhaltung über dem ehebett gehangen. auch können wir davon ausgehen, dass in der bürgerlichen ehe der mann in den genuss des anblicks dieser schönen kam, wenn er sich in der üblichen position seiner gattin zuwandte.

für mich zeigt dieses bild ab nun anschaulich, wie waldviertelleben in ihrer neuen bettwäsche lächelnd träumt. ich tendierte bettwäschemäßig eine zeitlang zu rosen. vielleicht zeige ich die auch mal her. ich fühl mich da drin märchenhaft beim einschlafen und wie dornröschen nach hundert jahren schlaf beim aufwachen. bald kommt der mai, da werd ich wohl wieder nach der rosenbettwäsche greifen.

Freitag, 15. April 2011

leseglück

virginia woolfs briefe I sind glücklich ausgelesen, zu 100 prozent als bettlektüre vor dem einschlafen. herrlicher heiterer schlaf die folge nach dem hochkarätigen geschwätz. übrigens glänzend übersetzt. ich hör direkt den o-ton dahinter. band II liegt zum abholen auf der post und die ist bis montag früh zu - schlecht getimte bestellung.

immer wieder jedoch beglückwünsche ich mich zu folgender entscheidung, die vom rest der menschheit nur bedingt nachvollzogen werden kann: ich habe mich für eine künstliche, relativ leichte kurzsichtigkeit entschieden.

wie geht das denn? nun, ende vierzig befiel mich binnen jahresfrist eine blindheit durch grauen star. wenn man ihn so jung kriegt, geht es rasant. und ich wollte bis zum schluss dabeisein beim erblinden. klingt auch albern bis makaber. aber ich hatte so meine gründe. bei knapp 20 dioptrien kurzsichtigkeit und kompletter verdüsterung war ich soweit, die operation durchführen zu lassen.

bis zu diesem zeitpunkt hatte ich praktisch alles über diesen eingriff in erfahrung gebracht. unter anderem, dass die patienten üblicherweise auf ideale null dioptrien eingestellt werden. das heißt, man sieht perfekt in die ferne und braucht zum lesen eine brille.

das wollte ich keinesfalls, vor allem deshalb nicht, da eins meiner höchsten glücksgefühle seit kindheit darin besteht, vor dem einschlafen, linkswärts ins bett gekuschelt, noch ein paar bis sehr viele seiten zu lesen. diesen vorgang beschrieb ich bei der vorbesprechung dem operateur und bat ihn, mir linsen einzusetzen, die den idealen leseabstand für seitlich-im-bett-liegen herstellen. das sind ca. 35 cm.

die operationen glückten und die berechnungen des operateurs für meinen sehstärkewunsch war völlig exakt. jetzt können sie bis neunzig oder hundert ohne brille im bett lesen, sagte er nachher gutmütig zu mir. ich preise dieses glück und hoffe, dass mir eine unheilbare augenkrankheit, wie es die makuladegeneration meiner mutter ist, erspart bleiben möge, die diesem prognostizierten lebenslangen leseglück noch einen strich durch die rechnung machen könnte.

Mittwoch, 13. April 2011

zeithaben

meine freundinnen von früher, also eine kohorte von frauen, die zwischen anfang der 50er und mitte der 60er jahre zur welt gekommen sind, erfreuen sich überwiegend eines geglückten lebens. die mehrheit beruflich erfolgreich und kinderlos, zufrieden mit ihrem lebensstil und erfreulich gesund. das ist sehr angenehm. vermutlich sind wir die erste frauengeneration, die überhaupt so selbstverwirklicht und ohne gröbere schuldgefühle das ganz eigene glück suchte und fand.

was wir derzeit merken, namentlich die aus den 50ern, jetzt in den 50ern, ist, dass wir keine zeit haben für einander. früher - zu wg- und anderen jugendzeiten - gabs doch diese endlosen telefonate, kaffeehausphilosophierereien, sich-das-universum-zurecht-besprechungen. man konnte spontan in kleinen gruppen gar tagelang mit dem auto durch entlegene landschaften gondeln und argloses landvolk durch nacktbaden verschrecken. nur zum beispiel.

jetzt? grad, dass wir noch die elementarsten festivitäten mit not gemeinsam ein wenig begehen. telefonieren über mehr als fünf minuten - nur um festzustellen, dass wir keine zeit für ein treffen haben - kommt praktisch nicht vor.

was ist geschehen? bei mir sieht es aus wie folgt:

ich arbeite vermutlich mehr stunden als früher, und ich bin am abend erschöpft und hab keine lust mehr auf reden, rausgehen etc. allerdings vermute ich, dass bei mir der beruf, der sich ja vom beschreibenden ins beratende gewandelt hat, einen teil der beziehungsfunktionen abdeckt, die früher in den freundschaften verortet waren. außerdem ist es in alten freundschaften vielleicht doch wie in mancher ehe - man weiß ohnehin schon, was kommt und lässt es daher gleich aus?

ich habe allerdings festgestellt, dass mein freundInnenkreis sich in den letzten jahren über meine altersgenossinnen hinaus in neue generationen erweitert hat: ich habe freundInnen hinzugewonnen, die aufgrund ihrer jugend, bzw. ihres höheren alters mehr zeit haben als ich, und die es daher auch schaffen, mehr und länger mit mir zu telefonieren, philosophieren, nachmittagelang herumzukugeln, weil sie sich nach mir richten können. wenn ich bald ein auto haben werde, kann ich mit der einen und dem andren vielleicht auch wieder durch entlegene gegenden gondeln.

Dienstag, 12. April 2011

beziehungstat

gestern habe ich mit einer blogfreundin, die ins wirkliche leben getreten ist, über dies und das und natürlich übers bloggen geredet. ein thema: wie handhabt man eine blogroll, linkliste zu anderen blogs?

eine möglichkeit: man hat keine. das ist sehr praktisch, denn man kommt dann nicht in die verlegenheit, je einen blog von der liste nehmen zu müssen. man legt seine blogs in den favoriten am eigenen computer ab, niemand meiner leserInnen weiß, wer alles drauf ist, die liste wird immer länger und wenn sie zu lang wird, durchforsten wir sie, und schluss.

so hab ich das früher auch gehandhabt, mit dem effekt, dass ich auf urlaub oder auf dem netbook nie alle meine lieblingsblogs wiederfand. also hab ich seit "mehr essen - leichter leben" die praktische funktion "blogroll" in betrieb genommen.

und siehe da, sie bekommt eine bedeutung, die weit übers praktische hinausgeht. jemanden listen oder von der liste nehmen ist dann gleich mal eine beziehungstat. wir freuen uns, wenn wir uns plötzlich auf einer blogroll wiederfinden. und es gibt uns einen stich, wenn wir merken, dass wir nicht mehr drauf sind.

virtuelle beziehungen sind eben doch echte beziehungen. die gruppendynamik kommt meiner erfahrung nach im internet noch unverhüllter zum tragen als im real life.

was meint ihr dazu? wie handhabt ihr das? wie geht es euch damit?

Freitag, 1. April 2011

auto

das auto meines vaters - meiner eltern vielmehr, aber mutter fährt nicht mehr - könnte meines werden. das scheint aus folgenden gründen verlockend:

beispielbild aus wikipedia
es ist eine haltbare marke
garagengepflegt
mit serviceheft der markenwerkstatt
es ist zwar 10 jahre alt, hat aber erst ein viertel der prognostizierten km drauf

und die tage rund um den tod des vaters war es mir der größte trost, in diesem auto herum zu fahren. vor allem es in die enge garage rein zu stellen, so wie er es getan hatte - millimeterarbeit.

was dagegen spricht:
wer braucht in wien ein auto, zumal wenn eine innerhalb des gürtels wohnt und dazu noch nahe an u-bahn und westbahnhof. seit ich in dieser stadt lebe, hab ich keins. also seit 30 jahren. soviel taxi und öffis fahren kann ich gar nicht, dass es nur annähernd so teuer werden könnte, als ein auto hier nur stehen zu haben. geschweige denn es auch zu bewegen bei den benzinpreisen. mit dem auto länger und teuerer nach linz unterwegs sein als derzeit door-to-door mit bim-zug-bim. noch dazu der ganze kram von garage/parkpickerl/autobahnvignette/reifenwechsel/service/pickerl. find ich fast noch schlimmer als ein haustier...

also bin ich hin und her gerissen, ob oder ob nicht ich auf das angebot meiner mutter eingehen soll, die mir das auto schenken will.

was spricht dafür?
jederzeit ohne umwege ausflüge machen können. zum baumarkt (zu ikea etc.) gelangen und ungeniert einkaufen. manche am stadtrand oder am land lebende freundin auch mal spontan besuchen. im sommer am see an regentagen auch mal shoppen in die stadt. (klingt mir eigentlich eher wie ein nachteil, was die erholung im urlaub betrifft).

jedenfalls merke ich, dass ich mittlerweile in einem autobesitzfreien lebensstil sozialisiert bin, dass auto-haben mir nach mehr stress klingt, als keins haben.

bitte um eure werte einschätzung zu lage!