Sonntag, 6. März 2011

nachhall

ich habe natürlich vaters letzte ansagen auf meiner mailbox gespeichert. zum glück hab ich heute wiedermal reingehört für ein wenig trost. die erste der ansagen, noch aus dem jänner, war verschwunden. dafür hab ich die vorletzte mal ganz angehört. er hatte meinen anruf überhört und mir das draufgesagt und dann nicht "aufgelegt". eine lange sequenz mithören der gespräche, die er mit den nachbarn im krankenzimmer führte, u.a. mit der alten dame, die mich "fräulein" genannt hatte. es war wirklich tröstlich, ihn nochmal so zu erleben.

nun, nach einem anruf bei der hotline meines providers, weiß ich auch, dass diese aufzeichnungen sich nach einer woche von selber löschen, wenn man sie nicht indessen wieder speichert. also gibt es jetzt ein neues ritual, bis ich das verschwinden der stimme ertrage: alle paar tage reinhören und speichern. eines tages werd ich es vergessen und dann wirds soweit sein, dass es gut ist so.

Kommentare:

  1. So eine schöne Geschichte - und ein tröstliches Ritual ... Es war schön, mit dir zu plaudern!

    Sei umarmt,
    B

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  2. erinnern ist schön und tut gut. mit den heutigen medien wird die erinnerung umso lebendiger. so trägt die moderne technik also zur trauerverarbeitung bei...
    glg, karin

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  3. Liebe Ursula,
    leider hatte und habe ich momentan ganz wenig Zeit,deshalb kommt mein Beileid und mein Kommentar zum Tod deines Vaters erst jetzt,obwohl ich die ganze Zeit in Gedanken bei dir war.
    Ihr habt euch eine wunderschöne Abschiedsfeier ausgedacht,alles sehr tröstlich und stimmig.
    An dieser Stelle(nicht im Blog) erzähle ich,dass ich beruflich mit Hinterbliebenen zu tun habe,ich habe nämlich einen Steinmetzbetrieb,entwerfe und verkaufe Grabmale.
    Ich beobachte,dass die Menschen anfangen offener über Tod und Abschied zu sprechen und auch freier und selbstbewußter in der Gestaltung dieser allerpersönlichsten Rituale werden,sprich ,das verwirklichen was zu ihnen passt und ihnen guttut.Das ist eine gute Entwicklung und meine Arbeit ist dadurch wesentlich schöner und befriedigender geworden.
    Die Grabpflege und der Grabstein selbst können nützliche Elemente der Trauerbewältigung sein-
    wie ich auch an deinem Beispiel sehe, geht es auch ganz ohne.
    Mein lieber Vater starb vor 2 1/2 Jahren "plötzlich und unerwartet" mit 76 Jahren nach der Rückkehr von einer Brasilienreise.
    Sein Grab ist zu weit weg und ich hab' persönlich auch keine Beziehung zu Gräbern und Grabsteinen(was ich geschäftlich natürlich für mich behalten muss!!!).Trost über seinen Tod fand ich ein halbes Jahr später,als ich (nach hartnäckigem Fahnden) die Fotos seiner letzten Reise fand(er hatte seine kleine Digitalkamera IMMER bei sich).Auf einem dieser Fotos stand er stolz und glücklich lächelnd auf einer weißen Sanddüne von himmelblauen Wassern umflutet in dieser überirdisch schönen Gegend bei Fortalezza,Brasilien.
    Von einem der schönsten Plätze dieser Erde hat er sich von dieser Welt verabschiedet!
    Das hat mich getröstet.
    Sei umarmt,Stela

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