Sonntag, 9. Januar 2011

regiestuhl

meinen zweiten heiratsantrag empfing ich anfang der 80er jahre von einem langjährigen guten freund, einem regisseur. unnötig zu erwähnen, dass ich die ehre nicht annehmen konnte, wodurch er sich veranlasst sah, es im nächsten zimmer in der frauen-wg auch zu versuchen. was soll man sagen: wie sich herausstellte, war es wohl ein letzter versuch sein leben in griff zu kriegen. wenige tage später traf ihn mit ende 30 der schlag. das ist eine sehr traurige geschichte, die bei mir den wahn auslösen sollte, dass es für die männer gefährlich ist, wenn ich nein sage. (der wahn nahm erst beim dritten vorfall handlungsrelevante gestalt an).

von diesem freund habe ich ein rotes riesen-t-shirt aus den 70ern geerbt, das mir bislang als heißgeliebtes nachthemd diente. erst diesem umzug fiel es zum opfer, weil es nun doch in stücke ging. ich habe jedoch noch ein anderes erbstück von ihm, das sich vermutlich in meinem nachlass noch finden wird, egal wie alt ich werde.

die rede ist von einem regiestuhl. bzw. vom gestell eines solchen aus holz. als ich es erbte, war es dunkelrot lackiert und hatte einen bezug aus ausgebleichtem dunkelblauen segelzeug. in den ökologischen 90ern habe ich es renoviert - soll heißen: abbeizen lassen und geölt und mit einem überzug aus oranger jute versehen.

die farbe stimmt gar nicht...
bald darauf kam ein dicker plüschiger lammfellmantel in meinen besitz. er ist einige tonnen schwer, ich habe ihn selten getragen. ein einziges mal hat er mir gute dienste bei einem sturz auf glatteis geleistet, bei dem ich vermutlich ohne die dämpfung nicht so glimpflich davongekommen wäre. vielleicht wäre ich aber auch gar nicht gestürzt, wenn ich das teil nicht schleppen hätte müssen. wer weiß. der vorfall markierte jedenfalls das ende seiner laufbahn als mantel.

ein sattes, leuchtendes mittelbraun wäre richtig
seither liegt er als husse über dem regiestuhl und hat das luftige gerät zu einem veritablen kuschelfauteuil gemacht. leider ist er nun auch schon einigermaßen abgewetzt. vor allem an der rechten armlehne. ich überlege, ob er nicht demnächst vom nerzmantel meiner mutter abgelöst wird, den mir heuer das christkind gebracht hat.

Kommentare:

  1. ich zerkugel mich bei deinen geschichten. irgendwie ist das foto vom lammfellregiestuhl obszön. frag mich nicht warum, ich kanns gar nicht genau sagen, aber es sieht nach totem tier in einer seltsamen stellung aus.
    hab einen schönen restsonntag.
    ingrid

    AntwortenLöschen
  2. ja, ich finds auf den fotos auch furchtbar. in echt siehts anders aus, schöner, find ich jedenfalls. naja.
    lg ins winterwaldparadies!
    u

    AntwortenLöschen
  3. Ich kann mir vorstellen, dass er bequem ist, aber es sieht wirklich aus wie eine Umarmung von einem toten Tier. Und Nerz...echt?
    schade um das rote Nachthemd :-(

    AntwortenLöschen
  4. ja, um das nachthemd ist jammerschade.
    und zum sessel: das sind vermutlich sogar mehr tote tiere, die mich da umarmen. so sind sie wenigstens nicht umsonst gestorben, bevor ich auf der welt war.
    der nerzmantel - wo noch viel mehr tote tiere drin sind - ist für den sessel ungeeignet, hab ich festgestellt - eben weil die vielen kleinen nerze dann bald an den kanten auseinanderfallen würden. wer weiß, was draus wird. ein denkmal der hohen zeiten der frau mama jedenfalls.

    AntwortenLöschen