Sonntag, 12. Dezember 2010

dezibel

meinem abendlichen telefonat mit dem benachbarten swingerclub ging meine heimkunft im gefolge eines gepflegten pärchens mittleren alters voraus. beide flotten schritts und beschwingt, eine freudige aufregung umschwebte namentlich die gutgesträhnte und -geföhnte frau. beide trugen sporttaschen. schon an der ecke dachte ich mir, die wollen da hin. als sich dann der mann kurz vor der eingangstür noch flüchtig umsah, war ich sicher, und ich hatte auch recht. ich ging eine tür weiter und horchte, in der wohnung angekommen, am kamin. fröhliches stimmengemurmel aus der tiefe - übrigens gar nicht im keller, wie mir der einblick im vorbeigehn, beim zutritt des pärchens, festzustellen erlaubte.

ich blockierte also meine rufnummer und wählte. es läutete ein weilchen, dann ein aufgeräumter herr namens doleschal, freudiges stimmengewirr im hintergrund. ich frage interessiert, ob es manchmal party gäbe im club. kann schon sein, meint d. ich sage: haben sie auch disco? so techno und so? d. wird stutzig und sagt gleich mal dreist: nein, das gibts bei uns nicht (steht aber für fr u sa auf der homepage). aha, sag ich, komisch. ich hör das immer freitags und samstags zwischen halb elf und zwei durch den kamin. unmöglich, meint d., das muss ein nachbar sein. glauben sie? frag ich. ja, sicher, meint d. im brustton der überzeugung. na, da muss ich weiter recherchieren, sag ich. er, ja, das sind sicher nicht wir.
und verabschiedung.

ich hab mich kurz schlecht gefühlt, wegen erfolglosigkeit, bis ich mich fragte, was ich denn erwartet hatte. war ja klar, dass die keine roten ohren bekommen würden... also hab ich mich gefasst und mich kurz in den d. hineinversetzt. der hat ja auch einen job, bei dem er keine schwierigkeiten haben will. und wenn dann die funkstreife um mitternacht zwischen den nackten und den teilbekeleideten kleinbürgerlichen privatleuten steht, hat sein chef auch keine freud. also konzentrierte ich mich auf die überprüfung der akustischen folgen meiner intervention. und höre und staune: der beat war vor mitternacht so leise wie zuvor nach mitternacht, und nach mitternacht war praktisch nichts mehr zu hören. so ein zufall aber auch!

also weiß ich, welcher interventionsmechanik ich mich in hinkunft bedienen muss. die eskalationsstufen hab ich mir schon überlegt und muss ich vielleicht gar nicht bemühen.

dem rotohrhasen hab ich die absolution erteilt. er gab mir den tipp, so wie er, mit ohrhörern voller klaviersonaten zu schlafen.

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