Montag, 18. Oktober 2010

schnütchensprache

in den letzten jahren hat sich die von mir so genannte "schnütchensprache" aus dem off in deutschsprachigen tv-dokumentationen nun schon fast durchgängig eingeschlichen. namentlich in den dokus, wo über menschen oder tiere berichtet wird.

unter "schnütchensprache" verstehe ich eine artikulation, die tatsächlich nur mit schnütchen herzustellen ist. die off-sprecherInnen lesen einen text, den sie durch diese artikulation immer knapp am rande des sich lustig machens über die leute, über die berichtet wird, dahinschrammen lassen. jedenfalls ist es eine ambivalenz zwischen die zuschauer für idioten halten und deshalb so sprechen und die dargestellten für idioten halten und deshalb so sprechen.

ich muss sagen, mir geht das auf die nerven. vielleicht liegt es nur an meinen österreichischen ohren. ich merke es aber auch schon hierzulande bei den off-sprecherInnen. ist es ein zeitgeist der distanzierung und sicherheitshalber entsolidarisierung? ist es ein "lustige" mode, die wieder vergehen wird?

weiß jemand, wovon ich rede? ich schreibe das, wärhrend in 3sat eine doku über den "neuen mann" läuft und der off-sprecher spricht ich schnütchensprache. es klingt auch immer so, als würden die sprecherInnen sich eigentlich fremdschämen über die dargestellten. vielleicht ist es ja das? es nervt mich jedenfalls, egal aus welchen gründen es passiert.

Kommentare:

  1. glaub ich weiß was du meinst - so ein distanziert-arrogant-belustigter ton. wirkt ziemlich abwertend. fände es auch schön, wenn der ton in dokus und reportagen ehr interessiert und informierend wäre - fördert sonst auch unbewusst eine haltung der überheblichkeit gegenüber allem und jedem, dass "man" nicht so gut kennt - statt dem versuch einer annäherung.

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  2. Ich muss demnächst mal genauer drauf achten.Es ist mir noch nicht aufgefallen, ich halte es aber für sehr möglich.

    Diese Mode scheint eine enge Verwandte der Angewohnheit der öffentlich-rechtlichen deutschen Sender zu sein, das Verb im Satz zu mördern. Stakkatosprak sozusagen. Gibt's das in Österreich auch?

    Das scheint auch so eine Anbiederungsmarotte zu sein, um Pseudo-Dynamik hineinzubringen und sich an die Privaten anzubiedern.

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  3. ja - so betulich, wie für Idioten.
    Übrigens habe ich grad in der SZ gelesen, dass Ihr in Wien jetzt auch zurück bleiben müsst - in der U-Bahn.
    "Bitte zurückbleiben"!

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  4. Schütchen hätt'ich es nicht genannt,aber dieses abfällig -spöttisch-überhebliche ,mit dem manche Ansagen gemacht werden,das bringt mich mächtig auf die Palme.
    Ich besitze allerdings selbst keinen Fernseher-und
    keine Tageszeitung,weil ich mich über diese ganze verlogene Mainstream Berichterstattung sattgeärgert habe!!

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